Ein Abend voller Impulse, Dialog und gemeinsamer Verantwortung
Am 6. März wurde das ÖHA – Öblarner Haus für Alle zu einem Ort der Begegnung, des Zuhörens und des gemeinsamen Nachdenkens. Unter dem Titel „RESPEKT & RAUM – BETROFFEN. BEWUSST. BETREUT. BESTÄRKT.“ luden die Organisatorin Claudia Gassner, MSc MA MBA (gesund-in-liezen.at) gemeinsam mit uns Soroptimisten zu einem Abend ein, der sich mit einem Thema beschäftigte, das unsere Gesellschaft zunehmend prägt: respektvolles Miteinander in digitalen und realen Lebenswelten.
Zahlreiche Besucher folgten der Einladung und erlebten einen Abend voller Impulse, persönlicher Einblicke und fachlicher Perspektiven. Ziel der Veranstaltung war es, Bewusstsein zu schaffen, Zusammenhänge sichtbar zu machen und konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen – für Eltern, Pädagog:innen, Fachkräfte und alle, die Verantwortung für ein respektvolles Zusammenleben übernehmen möchten.

Mediennutzung bewusst wahrnehmen
Den Auftakt machte Psychotherapeut und Medienexperte Lukas Wagner, MSc. In seinem Vortrag sprach er über unseren Umgang mit digitalen Medien und darüber, wie selbstverständlich Smartphones und Bildschirme in unseren Alltag integriert sind. Oft greifen wir zu digitalen Geräten, um Gefühle zu regulieren oder Stress abzubauen – ohne uns dessen bewusst zu sein.
Besonders eindrücklich war sein Hinweis darauf, wie stark unser eigenes Verhalten auch die Kinder in unserer Umgebung prägt. Wagner plädierte daher für mehr Achtsamkeit im Umgang mit Medien – sowohl im eigenen Leben als auch im Zusammenleben mit Kindern und Jugendlichen.
Gewalt verstehen – Muster erkennen
Im zweiten Vortrag gab Mobbing- und Präventionsexperte Günther Ebenschweiger Einblicke in seine langjährige Arbeit in der Gewaltprävention. Er zeigte auf, wie Mobbingprozesse entstehen und sich in Gruppen entwickeln und wie wichtig es ist, diese Dynamiken frühzeitig zu erkennen.

Perspektiven aus Medizin und Psychiatrie
Der Vortrag von unserer Präsidentin Dr.in Daniela Habersatter-Theil und Dr. Klaus Theil wurde in Form eines Dialogs gestaltet und widmete sich dem Thema Narzissmus. Gemeinsam beleuchteten sie typische Anzeichen und Dynamiken, die in Beziehungen und Konfliktsituationen auftreten können. Dabei wurde deutlich, dass hinter vielen Auseinandersetzungen oft ein zentrales Gefühl steht: Angst. Ein wichtiger Schlüssel im Umgang miteinander ist daher das echte Zuhören – das Bemühen, das Gegenüber wirklich wahrzunehmen und zu verstehen.
Ein weiterer zentraler Aspekt ihres Gesprächs war der Blick auf unsere Wahrnehmung. Unsere Realität entsteht nicht objektiv, sondern wird durch Erfahrungen, Emotionen und sogar hormonelle Prozesse gefiltert. Worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, beeinflusst maßgeblich, wie wir Situationen interpretieren und bewerten.
Dabei betonten sie auch die Bedeutung des Lebens im Hier und Jetzt. Wer dauerhaft in der Vergangenheit verharrt, läuft Gefahr, sich in Angst oder depressive Gedanken zu verlieren. Bewusstes Wahrnehmen der eigenen Gefühle und Gedanken kann hingegen helfen, handlungsfähig zu bleiben und neue Perspektiven zu entwickeln.

Psychische Gewalt sichtbar machen
Einen besonders sensiblen Bereich beleuchtete Mag. Lena Enge, Juristin und Trainerin in der Jugend- und Erwachsenenbildung. Sie sprach über psychische Gewalt – eine Form von Gewalt, die oft unsichtbar bleibt und dennoch tiefe Spuren hinterlassen kann.
Manipulation, Herabwürdigung oder das gezielte Infragestellen der eigenen Wahrnehmung können Betroffene stark verunsichern.
Beratung und Unterstützung sind wichtige Schritte – ebenso wie das Wissen, dass niemand mit solchen Erfahrungen allein bleiben muss. „Wissen stärkt – Mobbing schwächt“, brachte sie es auf den Punkt.
Zum Abschluss ihres Vortrags richtete Mag. Lena Enge eine klare und stärkende Botschaft an alle Betroffenen von Mobbing oder psychischer Gewalt. Zwei Sätze, die vielen im Raum besonders in Erinnerung bleiben werden:
• Du bist nicht allein.
• Du bist nicht schuld.
Eine einfache, aber kraftvolle Erinnerung daran, dass Unterstützung möglich ist und niemand solche Erfahrungen alleine tragen muss.

Starke Vorbilder und gemeinsame Verantwortung
In der anschließenden Podiumsdiskussion wurden die Themen vertieft und aus unterschiedlichen Blickwinkeln diskutiert. Besonders deutlich wurde dabei, wie wichtig positive und greifbare Vorbilder sind. Starke Persönlichkeiten, die Respekt, Verantwortung und Empathie vorleben, können entscheidend dazu beitragen, neue Bilder von Stärke zu prägen.
Wissen stärkt – Hilfe holen ist ein wichtiger Schritt

Ein Abend, der bewegt
Die Veranstaltung machte deutlich: Respekt beginnt im Alltag – in unseren Worten, unserem Verhalten und in der Art, wie wir miteinander umgehen.
Der Abend im ÖHA zeigte, wie wertvoll der Austausch zwischen Fachleuten, engagierten Menschen und der Öffentlichkeit ist. Denn Veränderung beginnt dort, wo Menschen bereit sind zuzuhören, zu lernen und Verantwortung zu übernehmen.
Die Soroptimistinnen danken allen Vortragenden, Mitwirkenden und Besucher:innen für ihr Interesse und ihre Offenheit. Gemeinsam können wir Räume schaffen, in denen Respekt, Bewusstsein und gegenseitige Unterstützung wachsen.